Wahres Wissen kommt aus der Praxis

„Wahres Wissen kommt aus der Praxis“ ist ein chinesisches Sprichwort. Wir geben hier Einsichten von Mitgliedern beim Üben von Taichi und Qigong wieder und veröffentlichen auch Anstöße unseres Lehrers.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Wir hatten heute Besuch von einem Schüler von Wáng lǎoshī 王老师 aus Milwaukee, USA. Wir haben zusammen Taichi gemacht und es klappte richtig gut, wir konnten zusammen üben, als ob wir uns schon lange kennen würden. Das war ein schönes Erlebnis, Realität geworden durch den gemeinsamen Lehrer im Hintergrund.

Die flinke Katze fängt die Maus
Der schwarze Drachen wedelt mit dem Schwanz
Der Karpfen springt über das Drachentor
Der Unsterbliche weist den Weg
Christian und Huìmín 惠民 bei der traditionellen Taichi-Schwertform

Mittwoch, 6. November 2019

Heute haben wieder Teilnehmer ganz unterschiedlichen Niveaus zusammen geübt. Es ist faszinierend, wie durch Lenkung der Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Aspekte äußerer Bewegung und innerer Veränderung ein nicht homogener Teilnehmerkreis dennoch zusammen und für jeden einzelnen gewinnbringend Qigong und Taichi üben kann. Das ist eine ganz besondere Seite chinesischer Bewegungskünste.

Sonntag, 3. November 2019

Wir haben heute die "herabfallenden Blüten" der traditionellen Schwertform als Partnerübung ausprobiert. Die Schwierigkeit ist es, die Schritte nach rechts und links mit der Drehung um die senkrechte Körperachse in Einklang zu bringen. Im Ergebnis hat sich die Koordination von Körper, Armen und Beinen stark verbessert und zu einer neuen Leichtigkeit bei der Bewegungsausführung geführt. Eine schöne Erfahrung, die wir mit in die neue Woche nehmen!

Mittwoch, 13. Februar 2019

Wir erhielten heute einen Denkanstoß unseres Lehrers zu der Frage: "Was hat es eigentlich mit der 'Perle mit den neun Windungen' auf sich." "Lasse Qi zirkulieren, als zöge es sich durch eine Perle mit neun Windungen. Es gibt keinen Punkt, den es nicht erreichte. Deshalb heißt es im Merkvers: Qi fließt durch den ganzen Körper ohne zu stocken." Das schrieb Wu Yuxiang (1812-1880), Schüler von Yang Luchan und Begründer des Wǔ-Stil Taichi. "Perle mit neun Windungen" - dazu gibt es eine Geschichte.

Als Konfuzius in den Staat Chen kam, war er nicht willkommen. Er wurde von Soldaten eingekreist und sollte nur frei kommen, wenn es ihm gelänge, einen Faden durch eine Perle mit neun Windungen zu fädeln. Wie er und seine Schüler sich auch anstrengten, es gelang ihnen nicht. Da erinnerte sich Konfuzius an zwei Frauen, die sie unterwegs getroffen hatten. Die eine hatte ihm mit auf den Weg gegeben, sollte es ihm nicht gelingen, den Faden durch die Perle mit neun Windungen zu fädeln, dann solle er zurückkommen und sie fragen. Konfuzius schickte also zwei Schüler zurück, die Frauen zu suchen. Die eine der beiden Frauen verriet ihnen, sie sollten an die Öffnung an dem einen Ende der Perle Honig aufstreichen, an eine Ameise einen Faden binden und diese dann an der anderen Öffnung in die Perle kriechen lassen. Der süße Duft des Honigs würde die Ameise locken, den Windungen zu folgen und so den Faden durch die Perle ziehen. So gelang es Konfuzius, sich mit seinen Schülern aus der Einkreisung zu befreien.

"Lasse Qi zirkulieren, als zöge es sich durch eine Perle mit neun Windungen. Es gibt keinen Punkt, den es nicht erreichte. ... Qi fließt durch den ganzen Körper ohne zu stocken."

Sonntag, 6. Januar 2019

Heute war der erste Tag des letzten Monats des chinesischen Mondkalenders. Der gute Geist des 12. Monats hat uns während unserer Übungsstunde offensichtlich beflügelt, denn wir hatten eine inspirierende Diskussion zum Thema: "Kennt ihr das auch, dass euch beim Üben die Gedanken weglaufen?" Ja, fast alle kannten zwei verschiedene Varianten dieser Erscheinung. Erstens, ich bin in eine Form des Taichi eingetaucht und weiß plötzlich nicht mehr, wie es weitergeht. Zweitens, meine Gedanken wandern aus mir heraus und beginnen über die unterschiedlichsten Dinge nachzudenken.

Acht Zeichen zeigen einen Weg zum Umgang mit der ersten Erscheinung: “yǎnguānliùlù, ěrtīngbāfāng 眼观六路,耳听八方.“ Die Augen sehen nach vorne, hinten, oben, unten, rechts und links und die Ohren hören in die acht Richtungen, d. b. Augen und Ohren sind sich gewahr dessen, was in der Umgebung vor sich geht, ohne es jedoch weiter zu verfolgen. Diese durchgängige Bewusstheit verhindert ein Abdriften in einen un-bewussten Zustand des schlafwandlerischen Wegtretens.

Einen Weg zum Umgang mit der zweiten Erscheinung zeigt folgende Überlieferung: “yùndòngzhěróngyì, yùnjuézhěnán 运动者容易,运觉者难.“ Bewegungen zu transportieren ist einfach, Gefühle zu transportieren ist schwierig. Erarbeite dir ein Körpergefühl aller Bewegungen und lasse dich durch das Körpergefühl durch das Taichi führen. Dann wird dein Kopf frei und kann sich aus den Verfolgungen des täglichen Lebens lösen.