Wahres Wissen kommt aus der Praxis
„Wahres Wissen kommt aus der Praxis“ ist ein chinesisches Sprichwort. Wir geben hier Einsichten von Mitgliedern beim Üben von Taichi und Qigong wieder und veröffentlichen auch Anstöße unseres Lehrers.
Donnerstag, 30. Juli 2020
Schwül-heißes Wetter und Zikadenkonzerte in den Bäumen, besonders am Flussufer, das sind die Merkmale der sān fú tiān 三伏天, der "dreimal heißen Tage" in China, von Mitte Juli bis Ende August. Schwitzen ist angesagt, nicht nur in Bewegung, auch in Ruhe. In China heißt es, die Krankheiten des Winters könne man während der sommerlichen Hitzeperiode heilen. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Unsere Methode ist es, die Übungspraxis täglich fortzusetzen und die hohen Temperaturen zu nutzen, um die Entspannung des Körpers zu fördern und die Durchlässigkeit seiner drei Abschnitte und neun Teile voll und tief zu erfahren. Die Gelenke scheinen wie weit geöffnete Tore, außen fließt der Schweiß, innen fließen Blut und Qi ungehindert bis in die entfernten Körperendpunkte. Ziel ist es, angesammelte Kälte und Feuchtigkeit auszuschwitzen und ein neues Gleichgewicht zwischen Körper, Qi und Geist herzustellen. Wer die sommerliche schwül-heiße Hitzeperiode nicht miterlebt hat, wird diese Erfahrung nicht machen können.
Sonntag, 22. Dezember 2019
Wir hatten heute Besuch von einem Schüler von Wáng lǎoshī 王老师 aus Milwaukee, USA. Wir haben zusammen Taichi gemacht und es klappte richtig gut, wir konnten zusammen üben, als ob wir uns schon lange kennen würden. Das war ein schönes Erlebnis, Realität geworden durch den gemeinsamen Lehrer im Hintergrund.
Mittwoch, 6. November 2019
Heute haben wieder Teilnehmer ganz unterschiedlichen Niveaus zusammen geübt. Es ist faszinierend, wie durch Lenkung der Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Aspekte äußerer Bewegung und innerer Veränderung ein nicht homogener Teilnehmerkreis dennoch zusammen und für jeden einzelnen gewinnbringend Qigong und Taichi üben kann. Das ist eine ganz besondere Seite chinesischer Bewegungskünste.
Sonntag, 3. November 2019
Wir haben heute die "herabfallenden Blüten" der traditionellen Schwertform als Partnerübung ausprobiert. Die Schwierigkeit ist es, die Schritte nach rechts und links mit der Drehung um die senkrechte Körperachse in Einklang zu bringen. Im Ergebnis hat sich die Koordination von Körper, Armen und Beinen stark verbessert und zu einer neuen Leichtigkeit bei der Bewegungsausführung geführt. Eine schöne Erfahrung, die wir mit in die neue Woche nehmen!
Mittwoch, 13. Februar 2019
Wir erhielten heute einen Denkanstoß unseres Lehrers zu der Frage: "Was hat es eigentlich mit der 'Perle mit den neun Windungen' auf sich." "Lasse Qi zirkulieren, als zöge es sich durch eine Perle mit neun Windungen. Es gibt keinen Punkt, den es nicht erreichte. Deshalb heißt es im Merkvers: Qi fließt durch den ganzen Körper ohne zu stocken." Das schrieb Wu Yuxiang (1812-1880), Schüler von Yang Luchan und Begründer des Wǔ-Stil Taichi. "Perle mit neun Windungen" - dazu gibt es eine Geschichte.
Als Konfuzius in den Staat Chen kam, war er nicht willkommen. Er wurde von Soldaten eingekreist und sollte nur frei kommen, wenn es ihm gelänge, einen Faden durch eine Perle mit neun Windungen zu fädeln. Wie er und seine Schüler sich auch anstrengten, es gelang ihnen nicht. Da erinnerte sich Konfuzius an zwei Frauen, die sie unterwegs getroffen hatten. Die eine hatte ihm mit auf den Weg gegeben, sollte es ihm nicht gelingen, den Faden durch die Perle mit neun Windungen zu fädeln, dann solle er zurückkommen und sie fragen. Konfuzius schickte also zwei Schüler zurück, die Frauen zu suchen. Die eine der beiden Frauen verriet ihnen, sie sollten an die Öffnung an dem einen Ende der Perle Honig aufstreichen, an eine Ameise einen Faden binden und diese dann an der anderen Öffnung in die Perle kriechen lassen. Der süße Duft des Honigs würde die Ameise locken, den Windungen zu folgen und so den Faden durch die Perle ziehen. So gelang es Konfuzius, sich mit seinen Schülern aus der Einkreisung zu befreien.
"Lasse Qi zirkulieren, als zöge es sich durch eine Perle mit neun Windungen. Es gibt keinen Punkt, den es nicht erreichte. ... Qi fließt durch den ganzen Körper ohne zu stocken."